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Hoher Besuch aus dem Nahen Osten in Wädenswil

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Im Rahmen einer Ausstellung des Hilfswerks “Kirche in Not” zum Thema “Verfolgte Christen weltweit” im Pfarreiheim der lebendigen Pfarrei Wädenswil weilte am ersten Adventssonntag der em. Patriarch Gregorios III aus Antiochien als Ehrengast am Zürichsee. Er hielt einen Vortrag zur Lage der auf der ganzen Welt, insbesondere im Nahen Osten, verfolgten Christen. Er plädierte für Versöhnung und Frieden im Nahen Osten.
Stefan Treier,
In Wädenswil erfuhr der gerne gesehene Ehrengast aus dem Nahen Osten die Gastfreundschaft von Pfarrer Markus Dettling, Vikar Benjamin Schmid, sowie den Diakonen Andreas Neira und Felix Zgraggen, welche ihm eine herzliche Aufnahme bereiteten. Zahlreiche Gottesdienstbesucher, unter ihnen viele Kinder und Jugendliche, hatten sich zu einer besonderen Adventsfeier eingefunden und konnten den 86 jährigen Würdenträger in geistiger Frische erleben. Ein warmherziger Empfang galt auch Direktor Jan Probst und der Informationsbeauftragten Lucia Wicki-Rensch des Hilfswerks » „Kirche in Not“.

Jerusalem ist Heimat aller Christen

Das Thema der Christenverfolgung beschäftigt weltweit über 200 Millionen Christen, sei es, dass sie bedrängt, diskriminiert, verfolgt oder gar umgebracht werden, so Geschäftsführer Jan Probst in seiner Grussadresse an die Gläubigen. Das von ihm vertretene internationale Hilfswerk unterstützt derzeit weltweit über 1000 Projekte, so namentlich in Syrien, wo die Lage nach wie angespannt ist. Obschon bei der Residenz des heutigen Gastes in Syrien schon über 100 Granaten eingeschlagen haben, hat er seinen Sitz nicht verlassen. Patriarch Gregorios will seine leidenden Leute nicht im Stich lassen.

Gregorios III überbrachte in seinem Predigtwort Grüsse aus dem Heiligen Land. Jerusalem ist die Heimat aller Christen, auch von euch. Jesus sagt, so der Patriarch, „ich bin gekommen, dass ihr alle das Leben in Fülle habt“. Alle sind dazu aufgerufen, mit- und füreinander da zu sein um dieses Wort zu erfüllen. Dankend erwähnte er dabei das Hilfswerk „Kirche in Not", welches seit Jahren in seinem Heimatland den Menschen auf diese Weise hilfreich beisteht. Die frohe Botschaft des Evangeliums will, dass Alle berufen sind, einander zu helfen, was gerade in Syrien so wichtig ist. Es gibt dort viele Märtyrer, welche ihr Leben opfern für das Leben anderer Menschen. Der Patriarch erinnerte daran, dass Jesus für alle Menschen gelebt hat und gestorben ist. Er rief dazu auf, gegenüber allen Menschen eine Zivilisation des Evangeliums und der Liebe zu leben. Die frohe Botschaft des Glaubens gilt ebenso für die Muslime. Auch sie sind berufen, das Evangelium zu kennen.

Verfolgte Christen weltweit – Hilfe notwendig


Im Anschluss an die Messfeier trafen sich die interessierten Gläubigen im Etzelzentrum zur Eröffnung einer informativen Ausstellung von „Kirche in Not“ zum Thema » „Verfolgte Christen weltweit“. – Pfarrer Markus Dettling bewies in seinem einleitenden Wort grosse Anteilnahme am Schicksal der verfolgten Christen, denen unsere Unterstützung gilt. Direktor Jan Probst informierte mit eindrücklichen Bildern und mittels Film über die Lage der weltweit ihres christlichen Glaubens wegen verfolgten Menschen, welche oft zur Elite ihrer Heimat gehören. In 140 Ländern unterstützt das Hilfswerk Projekte, von welchen einige vorgestellt wurden. Die Lage im seit acht Jahren kriegsgebeutelten Syrien ist besonders gravierend. 400‘000 Menschen haben ihr Leben verloren, 13.5 Millionen sind auf der Flucht, 6.6 Millionen Menschen sind Binnenflüchtlinge.

Lucia Wicki-Rensch, seit 13 Jahren Informationsbeauftragte von „Kirche in Not“, weilte kürzlich in Syrien und konnte sich an Ort und Stelle über das unsagbare Leid und die Not in diesem Land vergewissern. Obschon die UNO schon 1948 das Recht auf Religionsfreiheit als grundlegendes Menschenrecht anerkannt hat, wird dieses jeden Tag auf schlimmste Weise verletzt. Entweder sind es fanatische Islamiten (nicht Muslime) oder extreme Nationalisten, welche die Christen in 21 Ländern verfolgen und 17 Ländern diskriminieren. Im Irak hat innert zehn Jahren ein richtiger Exodus stattgefunden, indem die Zahl der Christen von 270‘000 auf rund die Hälfte durch Flucht oder Tötungen reduziert wurde. Gleiches muss über Syrien berichtet werden, wo sich die Zahl der Christen ebenfalls halbiert hat, und unzählige christliche Dörfer und Städte zertrümmert wurden. Zwischen 2011 und 2019 wurden mehr als 14‘000 Wohnhäuser von Christen zerstört. Durch das Mitwirken von „Kirche in Not“ konnten in den letzten zwei Jahren 7‘700 Häuser neu gebaut werden, ebenso acht Kirchen und drei Klöster. Nun wird das Projekt » „Ein Tropfen Milch“ lanciert, welches den vielen Christen, insbesondere Kinder, am Rande des Existenzminiums zur dringlichen Verbesserung der Nahrungsversorgung helfen soll.

Durch Märtyrer Solidarität Christen / Muslime


In seinem engagierten Vortrag zum Thema „Verfolgte Christen weltweit“ hielt Gregorios III fest, dass die Christen während ihrer ganzen bisherigen Geschichte stets Verfolgungen erlitten haben. Jesus selbst, ebenso die Apostel, wurden wegen ihres Glaubens verfolgt und umgebracht. „Selig die um seines Namens verfolgt werden. Sie werden die Krone des Lebens erhalten. Es ist wichtig, in Geduld, Treue und Vertrauen auf Jesus zu leben, denn er ist gekommen um Zeugnis für die Wahrheit abzulegen“ so der Patriarch weiter. Die Märtyrer geben Zeugnis durch ihr Blut und ihr Leben und leisten so das höchste Zeugnis des Glaubens. Das Blut der Märtyrer von heute ist der Same der Kirche von morgen. Tötungen von Christen erfolgen häufig durch Eifersucht und Fanatismus, nicht durch Religionen.

Die Kriege im Irak und in Syrien haben, so Patriarch Gregorios III, nichts mit Religion zu tun. Die Täter hatten keinen Glauben und keine Gründe. Die Morde geschahen aus Fanatismus und Hass, letztlich auch um Christen und Muslimen hintereinander zu bringen. Das Martyrium vieler Menschen ergab jedoch eine Solidarität zwischen Christen und Muslimen. In Syrien ist es eine historische Realität, dass Christen und Muslime in Zeiten der Bedrohung einander gegenseitig in Kirchen und Moscheen Asyl gewähren. Die Menschen werden verfolgt für die Wahrheit der Kirche. Sie sind nicht nur Opfer von Gewalt und Terror. Sie sind Zeugnisträger, vor allem im Geburtsland des Christentums. Die Radikale sind auch eine Gefahr für die Muslime.

Pakt soll zeigen, dass Gemeinsamkeiten möglich sind

Der Patriarch hat sich in einem längeren Schreiben an die Führung der Muslime gewandt und ihnen die Gründung eines arabisch/muslimisch/christlichen Paktes vorgeschlagen als Reaktion auf Verfolgungen durch Radikale und Islamismus. Bis jetzt fehlt eine gemeinsame Erklärung der Religionen. Man soll eine Kultur der Liebe begründen und so eine Zukunft ohne Ängste schaffen. Christen und Muslime leben schon seit mehr als 1400 Jahren nebeneinander. Dadurch soll der Welt gezeigt werden, dass im Nahen Osten ein friedliches, gemeinsames Zusammenleben verschiedener Religionen möglich ist. Ein solcher Dialog zwischen den Religionen kann letztlich auch als Grundlage für eine Lösung des Konfliktes zwischen Israel und Palästina angesehen werden. Ein Zusammenstehen der Religionen durch Dialog im Nahen Osten kann eine Voraussetzung für Gemeinsamkeiten in Europa und ein Beispiel dafür sein, dass Christen und Muslime friedlich zusammenleben können. Laut Gregorios III kann das Hilfswerk „Kirche in Not“ eine wichtige Rolle spielen bei der Schaffung eines interkonfessionellen Friedensdialogs im Nahen Osten.

Stefan Treier

Vortrag Patriarch Gregorios
30.11.2019
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Fotograf/-in
zvg, Felix Zgraggen

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Bereitgestellt: 03.12.2019
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