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Gemeinschaft statt Atomisierung

P. Karol<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kath-waedenswil.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>155</div><div class='bid' style='display:none;'>1662</div><div class='usr' style='display:none;'>2</div>
Interview mit P. Karol Gidrojc aus Wien
Sabine Zgraggen,
Lieber P. Karol, seit wie vielen Jahren machst du nun schon Ferienaushilfe hier bei uns in der Pfarrei Wädenswil? Wie kam es überhaupt dazu?

Seit 1999, das sind also 19 Jahre! Der Kontakt kam auf Umwegen zustande. Ich war damals Vikar in Innsbruck und ein Kollege aus München fragte mich an. Es hatte mit den Jesuiten zu tun, welche ja sehr gut vernetzt sind und auch in Innsbruck leben. Jedenfalls kannte ich damals die Schweiz bereits wegen Ferienaushilfen in Basel und auch Muttenz. Es wurde schlicht und ergreifend jemand gesucht und ich habe zugesagt! In Wädenswil blieb ich dann quasi «hängen» und mache jedes Jahr die Sommervertretungen für drei Wochen. Insofern habe ich schon einige Pfarrer hier erlebt und «überlebt» (fügt er schmunzelnd an).

Wie ging dein Weg denn von Innsbruck aus weiter, denn du lebst ja in Wien?

Von Innsbruck aus war ich drei Jahre Kaplan im Tirol und ging 2006 von dort aus nach Wien in den 23. und 10. Bezirk namens «Mauer» und «Oberlaa», wo mir also zwei Pfarreien anvertraut wurden. 2010 entschied ich mich dann verpflichtend für die Pfarrei in «Hetzendorf» im Bezirk 12. Dort wirke ich seither. Allerdings lautet mein Amt dort «Pfarrmoderator», dies ist heutzutage die übliche Bezeichnung, weil man eine zu feste und unkündbare Verpflichtung einer bestimmten Pfarrei gegenüber verhindern möchte.

Das heisst, dass die Pfarrei in Wädenswil eigentlich so etwas wie die «Konstante» in deinem Leben geworden ist, wo auch viele Kontakte unter den Gläubigen und dir entstehen konnten!? Stellst du einen Mentalitätsunterschied zwischen Wienern und Wädenswilern fest?

In Wien haben wir eine Grossstadtmentalität, während es hier doch noch etwas ländlicher ist. Das hat Auswirkungen – wie in anderen Grossstädten auch – betreffend der Zugänglichkeit. In Wien musst du dich allgemein stark behaupten und durchsetzen, für ein gewisses Vertrauen musst du mehr «kämpfen». Auch erscheint mir dort alles «schneller». Die Wiener sind zwar auch sehr höflich, aber es drängt, die Antworten müssen schneller kommen, man ist auch direkter im Umgang und um zu sagen, was man will. Natürlich bin ich in Wien auch administrativ stärker eingebunden, so dass ich in der Zeit in Wädenswil die Gespräche und Begegnungen richtig geniessen kann.

Du hast oben angedeutet, dass es betreffend der Pfarren in Wien zu Umstrukturierungen kommt und du deshalb auch «Pfarrmoderator» statt «Pfarrer für eine Pfarrei» bist. Was steckt dahinter?

Es ist seit Jahren eine Diözesanreform im Gang. Dekanate werden aufgehoben, das Ganze nennt sich «Pfarre neu». 4 bis 5, manchmal sogar 6 Pfarren werden zu einer Pfarrei neu zusammengeführt. Ich mache mir viele Gedanken, wie die Pfarren sich unter diesen Prämissen gut entwickeln werden. Gesamtgesellschaftlich ist eine gewisse «Atomisierung» zu beobachten: Vereine, Stammtische und nun auch die Pfarreistrukturen, welche ja auch Identität und Heimat bedeuten, «lösen sich auf». Niemand weiss im Moment, wohin das führt. Für das Christentum ist es aber seit seinen Anfängen elementar, dass die Gläubigen in ihrem Bezirk / Ort zusammenkommen, in der Heiligen Schrift lesen und gemeinsam das Gedächtnis an Jesus Christus aufrechterhalten und das Mahl, das ER gestiftet hat, halten! Bevor man an eine wie auch immer geartete Mission denken kann, braucht es Stärkung und Gemeinschaftserfahrungen innerhalb der Ortspfarren.

Worauf achtest du in deinem Apostolat?

Am Ende des Lebens wird die Frage sein, ob du etwas für die Gemeinschaft oder letztlich für die Spaltung, das heisst Schwächung der Gemeinschaft, getan hast! Darum sollten wir unsere Kräfte darauf konzentrieren, gemeinschaftsbildend zu sein. Zu viele und zu häufige Umstrukturierungen mit neuen Weisungen und Reglementen haben wenig Chancen, umgesetzt und gelebt zu werden. Die Gefahr besteht, dass der Einzelne sich nicht mehr daheim fühlen kann, weil ständig neue Ansprechpersonen und Richtlinien gelten.

Lieber Karol, vielen herzlichen Dank für dieses kleine Interview! Wir wünschen dir noch eine gute Zeit hier bei uns und hoffen auf ein Wiedersehen in Wien – oder nächsten Sommer wieder hier!
Mit P. Karol sprach Sabine Zgraggen

P. Karol
29.07.2018
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Sabine Zgraggen

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Felix Zgraggen
Verantwortlich: Felix Zgraggen
Bereitgestellt: 29.07.2018
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