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Intensiver Dialog als Weg zu Gott

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Auf den Spuren von Ramon Llull (1232/33- ca. 1316) waren wir in den Familienferien unterwegs. Nun liefert unser spiritueller Begleiter, Bruder Paul Zahner ofm, eine kurze Lebensbeschreibung nach.
Bruder Paul Zahner,
Das Leben Ramon Llulls

Ramon Llull wurde 1232 oder 1233 in Palma di Mallorca als Kind einer angesehenen Familie geboren. Im Jahre 1257 heiratete er und seine Frau Blanca Picany gebar zwei Kinder. Allerdings hatte er in dieser Zeit auch Beziehungen zu anderen Frauen. Erst 1263 erlebte der als Christ erzogene Ramon in einer Vision im gekreuzigten Christus erstmals eine intensive persönliche Beziehung zu Jesus, die ihn zu einer entschiedenen christlichen Bekehrung führte. Er begann intensiv Glaubensfragen zu studieren, vertiefte seine Bildung und lernte unter anderem für den Dialog mit dem Islam auch Arabisch. 1276 gründete er im Kloster Miramar auf Mallorca eine Missionsschule. An verschiedenen Orten, unter anderem auch in Paris, unterrichtete er und vermochte das Konzil von Vienne (1311-1312) so zu beeinflussen, dass vorgeschrieben wurde in wichtigen Universitäten eine Ausbildung in Hebräisch, Arabisch und Chaldäisch zu ermöglichen. Damit sollte der direkte Dialog mit Judentum, Islam und verschiedenen christlichen Konfessionen ermöglicht werden. Llull durchreiste die Länder rund um das Mittelmeer, also auch die muslimischen Länder, systematisch, kehrte aber auch immer wieder nach Mallorca zurück. In seinem bedeutenden Werk „Ars magna“ („Große Kunst“) versuchte er nach 1305 die Wahrheit des christlichen Glaubens dialogisch zu begründen. Eine Überlieferung berichtet, dass Llull vor Muslimen in Algerien predigte und von ihnen gesteinigt worden sei. Auf der Rückfahrt nach Mallorca starb er um das Jahr 1316 auf dem Schiff. Die katholische Kirche verehrt ihn als Seligen und als Märtyrer.

Sein Weg im franziskanischen Dritten Orden (Franziskanischer Säkularorden)


Ramon Llull kannte den Franziskanerorden gut. Im Jahre 1281 wurde das heutige Gebäude des Franziskanerklosters San Francisco in Palma di Mallorca gebaut, in dem Llull nach seinem Tode bestattet worden ist. Er erlebte die Franziskaner als Missionsorden, der einen großen Einfluss auf die damalige Kirche hatte. So entschied er sich 1293 dem franziskanischen Säkularorden (Franziskanische Gemeinschaft) beizutreten und lebte von da an zunehmend aus dem Bezug zu Franziskus und seinem Orden heraus. Erst 1289 bestätigte der Franziskanerpapst Niklaus IV. feierlich durch eine päpstliche Bulle diese Ordensgemeinschaft franziskanischer Laien und ermöglichte so den Eintritt Llulls in diese Gemeinschaft. Llull konnte so immer wieder an verschiedenen Orten, die er besuchte, die Franziskanische Gemeinschaft besuchen und lebte aus einer intensiven Beziehung zum Franziskanerorden. Er bemühte sich gerade Franziskaner als Missionare auszubilden und ihnen etwa Arabisch beizubringen, damit sie im arabischsprachigen Raum den Dialog suchen konnten und das Christentum zu verkünden vermochten.

Die Spiritualität von Ramon Llull

Auf seinem Lebensweg entwickelte Ramon Llull immer tiefer eine eigene Form der Spiritualität. Aus seiner Troubadour-Dichtkunst heraus, die er in der frühen Zeit seines höfischen Lebens pflegte, kannte er die Poesie als Ort der Darstellung der eigenen Liebe zu konkreten Menschen und als Ausdruck einer tieferen Sehnsucht nach dem Sinn des eigenen Lebens. So entwickelt Llull eine tiefe Form seiner spirituellen Suche, die auch uns heute zu berühren vermag. Eine Stelle aus dem „Buch vom Freunde und vom Geliebten“ soll das darstellen:

„Hoch über der Liebe ist der Geliebte,
und tief unter der Liebe der Freund.
Und die Liebe in der Mitte
neigt den Geliebten herab zum Freunde
und hebt den Freund hinauf zum Geliebten.
Und aus dem Neigen und Steigen
entspringt und lebt die Liebe,
die den Freund in Sehnsucht versetzt
und dem Geliebten dient.
Der Freund ging an den Türen betteln,
um an die Liebe seines Geliebten zu erinnern
und um sich in Geduld, Demut und Armut zu üben,
Dinge, die seinem Geliebten gefallen.“


aus: P. Zahner (Hg.), Franziskanische Stimmen. Zeugnisse aus acht Jahrhunderten, Kevelaer 2002, S 67.

Br. Paul Zahner ofm

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Ramon Lull
21.11.2018
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