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Bischof Joseph kommt

Flyer Grabtuch Ausstellung (Foto: zvg)
Interview für den Wädenswiler Anzeiger mit Bischof Joseph Bonnemain, dem "Schirmherren" der Ausstellung in Wädenswil.
Felix Zgraggen,
Lieber Bischof Joseph,
Wir freuen uns sehr, dass Sie als Schirmherr der Ausstellung in Wädenswil «Wer ist der Mann auf dem Tuch» am 15. August zu uns kommen. Herzlich willkommen!
Die Wanderausstellung der Malteser lädt zu einer Spurensuche ein, sich von den verschiedensten Seiten her mit dem Leinentuch und dem Abbild darauf auseinanderzusetzen. Wo sind Sie diesem «Grabtuch von Turin» in Ihrem Leben als Arzt und Priester bisher begegnet? – Hätte eine solche Ausstellung Sie als Jugendlicher interessiert?


Ich habe verschiedene Artikel darüber gelesen und einige Vorträge über das Turiner Grabtuch gehört. Als Mediziner haben mich besonders die naturwissenschaftlichen Elemente interessiert. Als die C14-Radiokarbon-Proben gemacht wurden, verfolgte ich gespannt die Ergebnisse. Die Details, welche im Grabtuch zum Ausdruck kommen, halfen mir als Gläubiger, Jesus näher zu kommen. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich in meiner Jugend eine solche Ausstellung in der Nähe besucht hätte. Ich hatte den Wunsch, einmal in Turin das Grabtuch selber anschauen zu können, was aber nicht einfach war.

Die Malteser sind in Deutschland und Österreich bekannt für soziales Engagement z.B. mit ihrem Einsatz für Krankentransporte. – Auch Ihnen ist wichtig, dass die Kirche immer wieder den Kontakt sucht zu den Menschen, besonders zu den Menschen am Rande. Was erhoffen Sie sich mit der Ausstellung?

Das Leiden und die Wunden Christi bringen uns den Wunden der Menschen näher. Wenn wir im Kontakt mit den Ärmsten, den Ausgestossenen, den Leidenden und mit den Nichtgeliebten kommen, berühren wir – wie Papst Franziskus sagt – die Wunden Christi. Eine solche Ausstellung kann in uns diese Sensibilität fördern.
In Christus finden wir alle Konfessionen vereint und in der gemeinsamen Solidarität kümmern wir uns um die Leidenden und deswegen kann eine solche Ausstellung Geschwisterlichkeit, Solidarität, Offenheit und Ökumene fördern.

Kann man das Grabtuch als Brückenbauer verstehen?

Das Turiner Grabtuch liefert viele Informationen und Antworten, stellt aber gleichzeitig viele Fragen. Es konfrontiert uns mit dem Geheimnis der menschlichen Existenz, des Leidens, des Todes und nicht zuletzt der Menschwerdung Gottes. Wahrer Glaube ist der Glaube von Suchenden. Deswegen kann eine solche Ausstellung den Glauben stärken. Wir bleiben immer unterwegs – Suchende, Tastende, Pilgernde.

Es gibt einige, die sich zuerst sehr kritisch und ohne religiösen Hintergrund aus rein wissenschaftlichem Interesse mit dem Leinentuch beschäftigt haben. Die Befunde zogen sie so in einen Bann, dass es sie nicht mehr losliess. So ist es beispielsweise Barrie Schwortz, dem amerikanischen Fotografen ergangen, der seit 40 Jahren von den Ergebnissen der Forschung berichtet. – Was, wenn die Menschen in Wädenswil plötzlich in Scharen kommen, auf dieser Spurensuche an diesen Punkt gelangen und genauer wissen wollen, wer dieser Mann auf dem Tuch ist?

Dann freuen wir uns doch darüber, im Wissen, dass das Wichtigste unsichtbar im Herzen geschieht. Gott tritt meistens leise ins Leben. Eine solche Besichtigung kann zum Nachdenken anregen, einen inneren Prozess anstossen. Wer dies erlebt, darf auch wissen, dass wir alle mit unseren Fragen und Zweifeln unterwegs sind. Das Unauffälligste des Gewöhnlichen, ist auch eine Botschaft Gottes.

Ist der Glaube an Gott eigentlich kompliziert oder einfach?


Er ist sehr einfach. Jesus sagte, dass das Reich Gottes für die ist, die wie Kinder werden. Wer Kinder kennt, weiss wie sie sind: einfach, direkt und ehrlich. Zum Glück haben gerade die Kinder immer wieder neue Fragen. Der Kern des Glaubens heisst: Gott liebt uns – immer. Diese einfache Botschaft versteht jeder Mensch.

Was hat Sie als Bischof von Chur bisher am meisten gefreut?

Zahlreiche eindrückliche Begegnungen mit den Menschen in den Pfarreien.

Um was beten Sie als Bischof von Chur am eindringlichsten?

Um geschwisterliche Versöhnung im Bistum. Und dass viele junge Menschen die Nachfolge Christi, entdecken und leben, sei es als Priester, Theologin und Theologe oder als überzeugende Eheleute.

Was möchten Sie den Leserinnen und Lesern des Wädenswiler Anzeigers noch mit auf den Weg geben?

Seien Sie ein Segen für andere Menschen, schenken Sie Hoffnung, Freude und Zuversicht! Die Zusage Gottes, dass er uns liebt, gilt auf ewige Zeiten.

Herzlichen Dank für das Interview! Mit Bischof Joseph Maria Bonnemain sprach Felix Zgraggen

Zur Infoseite der » Ausstellung Wer ist der Mann auf dem Tuch

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Felix Zgraggen (Foto: Sabine Zgraggen)
Verantwortlich: Felix Zgraggen
Bereitgestellt: 15.07.2021
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